Wassermischbare Kühlschmierstoffe
von esgemo

AUFGABEN VON KÜHLSCHMIERSTOFFEN
ARTEN VON KÜHLSCHMIERSTOFFEN
BASISÖLE
IM ÜBERBLICK
ANMISCHWASSER UND KONZENTRATION
KÜHLMITTELZUFUHR
PFLEGE UND ÜBERWACHUNG
ARBEITS- UND HAUTSCHUTZ
ENTSORGUNG

Aufgaben von Kühlschmierstoffen

Drei Funktionen, die über die Wirtschaftlichkeit der Fertigung entscheiden

Kühlschmierstoffe übernehmen beim Zerspanen, Trennen und Umformen drei Kernfunktionen, die unmittelbar über die Wirtschaftlichkeit der Fertigung entscheiden.

  1. An der Wirkstelle zwischen Werkzeug und Werkstück tritt überwiegend Mischreibung auf. Durch Schmierung verringert der Kühlschmierstoff diese Reibung und reduziert so Werkzeugverschleiß und Energiebedarf. Mit passenden Additiven lässt sich das Schmierverhalten an den jeweiligen Werkstoff anpassen.

  2. Die zweite Aufgabe ist die Wärmeabfuhr. Zu hohe Temperaturen verändern das Gefüge in den Randschichten von Werkstück und Werkzeug und beeinträchtigen Maßhaltigkeit wie Standzeit. Wassergemischte Kühlschmierstoffe sind hier besonders wirksam, da Wasser eine hohe Wärmekapazität besitzt und zusätzlich Verdunstungskälte entsteht.

  3. Drittens übernimmt der Kühlschmierstoff das Spülen der Bearbeitungszone: Späne werden weggetragen und dem Filtersystem zugeführt. Wie gut das gelingt, hängt vor allem von Volumenstrom, Druck und Düsenausrichtung ab.

Eigenschaften durch Additive


Neue Werkstoffe, beschichtete Werkzeuge, höhere Schnittgeschwindigkeiten und strengere Umweltauflagen haben die Anforderungen an Kühlschmierstoffe in den letzten Jahren deutlich erhöht. Diese Anforderungen lassen sich nur erfüllen, indem der Grundformulierung gezielt Additive zugesetzt werden — also Stoffe, die die physikalischen und chemischen Eigenschaften verändern. Typische Additivklassen sind Korrosionsinhibitoren, Hochdruck- und Verschleißschutz-Additive, Alterungsschutz, Emulgatoren, Biozide, Reibwertverbesserer, Schaumunterdrücker, Antinebelzusätze und Haftvermittler.

Arten von Kühlschmierstoffen

Wassermischbar oder nicht — und wenn ja, als Emulsion oder Lösung?

Nach DIN 51385 unterscheidet man nichtwassermischbare und wassermischbare Kühlschmierstoffe. Wassermischbare KSS werden als Konzentrat geliefert und vor dem Einsatz mit Wasser angesetzt — entweder zu einer Emulsion (milchig) oder zu einer Lösung (klar).

  Wassermischbar Nichtwassermischbar
Kühlwirkung Sehr gut (> 90 % Wasser) Gering
Schmierwirkung Mäßig Sehr gut
Korrosionsschutz Durch Additive Sehr gut
Mikrobielle Belastung Möglich — Pflege nötig Kaum, da nahezu keimfrei
Lieferform Konzentrat (anzusetzen) Gebrauchsfertig
Brandverhalten Unkritisch Entflammbar — Schutzmaßnahmen nötig
Aerosolbildung Gering Ölnebel bei hohen Drehzahlen

Drei Typen wassermischbarer Kühlschmierstoffe

Wassermischbare KSS unterscheiden sich vor allem durch ihr Grundöl.
Daraus ergeben sich Einsatzgebiet, Aussehen und das empfohlene Mischungsverhältnis.

Mineralölbasierte Emulsion


Am häufigsten in der spanenden Bearbeitung.

Aussehen: 

Milchig-weiß


Konzentration:
  • Stahl: 5 – 7 %
  • Zähe / rostfreie Stähle: 8 – 12 %


Gute Zerspanung, guter Korrosionsschutz. Ölanteil im Konzentrat: 20 – 50 %.

Synthetischer KSS (Lösung)


Vor allem für Schleifoperationen.

Aussehen: 

Wasserklar


Konzentration:
  • Standard: 4 – 6 %


Frei von Mineralöl. Weniger geeignet für klassisches Zerspanen, dafür wenig Schaum.

Ester- / Pflanzenölbasiert


Beste Zerspanungseigenschaften unter den Emulsionen.

Aussehen: 

Emulsion


Konzentration:
  • Rostfreier Stahl: 6 – 8 %
  • Exotische Stähle: 8 – 12 %


Häufig als Umformschmierstoff. Mit Wasser leicht abreinigbar.

Basisöle im Überblick

Vom Mineralölraffinat bis zum vollsynthetischen Polyalphaolefin

Welches Basisöl der Kühlschmierstoff enthält, bestimmt maßgeblich seine Leistung, sein Alterungsverhalten und seine Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Basisöl Herstellung Eigenschaften
Mineralöl­raffinat Aus Erdöl durch Destillation, Extraktion und Hydrierung Günstig, weit verbreitet. Höhere Verdampfungsneigung — nicht durch Additive korrigierbar.
Hydrocracköl Erdölkohlen­wasserstoffe, bei bis zu 450 °C und 300 bar in kürzere Moleküle gespalten Höherer Viskositätsindex, bessere Schmierfähigkeit, weniger Aromaten und damit geringere Ölnebel-Belastung am Arbeitsplatz.
Gas-to-Liquid (GtL) Aus Erdgas via Fischer-Tropsch-Verfahren synthetisiert Group III+ — qualitativ zwischen Hydrocrack und PAO angesiedelt.
Polyalpha­olefine (PAO) Vollsynthetisch, durch thermische und katalytische Polymerisation Hoher Flammpunkt bei niedriger Viskosität, sehr geringe Verdunstung, hoher Viskositätsindex, hervorragende Scher- und Alterungsstabilität.
Esteröle Natürlich (Pflanzenöle, tierische Fette) oder synthetisch Sehr gute Schmierfähigkeit, geringe Verdampfung. Aber: begrenzt verträglich mit Lacken und Elastomeren — Maschine muss ggf. ertüchtigt werden.

Anmischwasser und Konzentration

Worauf es bei Wasserqualität und Mischverhältnis ankommt.

Da wassermischbare Kühlschmierstoffe zu 90 bis 95 Prozent aus Wasser bestehen, wirkt sich dessen Qualität unmittelbar auf Stabilität, Korrosionsschutz und Standzeit des Fluids aus.

Der pH-Wert des Anmischwassers sollte idealerweise bei 7 liegen. Werte unter 6 führen dazu, dass der pH-Wert der Emulsion absinkt, was den Korrosionsschutz vermindert und die Emulsion instabil werden lässt. Die Gesamthärte ist ebenfalls kritisch: Wasser mit mehr als 20 °dH neigt zur Bildung von Kalkseifen, die als weiße Spuren auf der Emulsionsoberfläche sichtbar werden und sich auf Werkstücken und Werkzeugen ablagern können. Hier empfiehlt sich Enthärtung oder Nachfüllen mit vollentsalztem Wasser. Liegt die Härte hingegen unter 10 °dH, kann sich Schaum bilden — in diesem Fall helfen Aufhärter oder Entschäumer.

Beim Nitratgehalt gibt die TRGS 611 einen Grenzwert von 50 ppm vor. Diese Limitierung soll die Bildung von Nitrosaminen verhindern, die aus Nitrit in Verbindung mit sekundären Aminen entstehen können. Da Nitrit in Gebrauchtemulsionen meist durch Abbau von Nitrat entsteht, ist die Begrenzung des Nitratgehalts entscheidend. Der Chloridgehalt sollte unter 250 ppm bleiben, da höhere Werte den Korrosionsschutz angreifen — vor allem durch Wasserverdunstung kann es zu Anreicherungen kommen. Auch hier hilft die Nachdosierung mit vollentsalztem Wasser. Insgesamt sollte das Anmischwasser Trinkwasserqualität haben, mit maximal 100 KBE/ml und ohne Krankheitserreger.

Parameter Richtwert
pH-Wert ca. 7 (mind. 6)
Gesamthärte 10 – 20 °dH
Nitratgehalt max. 50 ppm
Chloridgehalt max. 250 ppm
Keimzahl max. 100 KBE/ml

Kühlmittelzufuhr

Innere oder äußere Zufuhr — abhängig von Werkzeug und Werkstoff.

Selbst der beste Kühlschmierstoff entfaltet seine Wirkung nur, wenn er dorthin gelangt, wo er gebraucht wird. In der Praxis kommen zwei Zuführverfahren zum Einsatz.

Innere Kühlmittelzufuhr (IKZ)


Das Kühlmittel wird durch Bohrungen im Werkzeug direkt an die Wirkstelle geführt. Sinnvoll vor allem bei Gewindebohren, langspanenden Werkstoffen und tieferen Bohrungen (ab dem 2- bis 3-fachen Durchmesser). Vorteile: optimale Spanabfuhr und reduzierter Verschleiß im Schneidbereich.

Äußere Kühlmittelzufuhr


Das Kühlmittel wird über Düsen von außen auf die Bearbeitungsstelle gerichtet. Vorteil: kein Spezialwerkzeug nötig. Mindestens eine Düse sollte möglichst nah an der Werkzeugachse stehen; bei stationären Bohrern empfiehlt sich die Anordnung mit zwei Düsen.

Pflege und Überwachung

Standzeit verlängern und Verkeimung vermeiden — gemäß TRGS 611.

Ein Kühlschmierstoff ist nur so gut wie seine Pflege. Wer den im Einsatz befindlichen KSS systematisch überwacht, vermeidet Verkeimung, schützt seine Mitarbeiter und verlängert die Standzeit des Fluids erheblich. Die TRGS 611 schreibt diese Pflege verbindlich vor.

Sinn des Kühlschmierstoffmanagements


Ein wirksames Kühlschmierstoffmanagement überwacht und kontrolliert den im Einsatz befindlichen KSS dauerhaft, um Tendenzen frühzeitig zu erkennen: falsche Mischverhältnisse, Qualitätsverlust oder Bakterienwachstum. Dies senkt nicht nur Betriebs- und Entsorgungskosten und erhöht die Prozesssicherheit, sondern verringert auch die gesundheitlichen Risiken für die Anwender und verhindert Geruchsbelästigung sowie Korrosionsprobleme. Die Bildung von Mikroorganismen kann so wirksam vorgebeugt werden.

Mögliche Eintragswege für Verkeimung


Mikroorganismen gelangen über vier Hauptwege in den Kühlschmierstoff: durch flüssige Verunreinigungen wie Fremdöleinträge, durch feste Fremdstoffe aus dem Arbeitsumfeld, durch Schimmelsporen aus der Umgebungsluft und durch sauerstoffarme Verhältnisse, wenn das Fluid nicht ausreichend bewegt wird. Filtertechnik und Skimmer wirken den ersten drei Wegen entgegen, eine kontinuierliche Umwälzung dem vierten.

Prüfplan nach TRGS 611


Für den Neuansatz und den laufenden Betrieb wassermischbarer Kühlschmierstoffe muss gemäß DGUV Regel 109-003 ein Prüfplan erstellt werden. Ergänzend empfiehlt sich für jede Maschine ein Überwachungsblatt, in dem Prüf- und Pflegemaßnahmen dokumentiert werden.

Die Prüfungen umfassen tägliche Sichtkontrollen sowie wöchentliche Messungen mit Refraktometer und Teststreifen. Beginnt der Kühlschmierstoff schweflig zu riechen, deutet das auf Bakterienbefall hin; ein „Teppich“ auf der Oberfläche meist auf Pilzbefall.

Downloads

Intervall Prüfung Methode
Täglich Aussehen und Geruch Sichtkontrolle
Wöchentlich Konzentration Handrefraktometer
Wöchentlich pH-Wert Teststreifen
Wöchentlich Nitritgehalt Teststreifen im KSS
Periodisch Nitratgehalt Teststreifen im Anmischwasser
Bei Auffälligkeit Detailanalyse Labormessung

Arbeits- und Hautschutz

Gesundheitliche Risiken erkennen und durch konsequente Pflege vermeiden.

Inhaltsstoffe von Kühlschmierstoffen können die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen. Die Risiken lassen sich durch konsequente Pflege und persönliche Schutzmaßnahmen jedoch deutlich reduzieren.

Gesundheitsschäden entstehen meist durch Hautkontakt mit verunreinigtem Kühlschmierstoff — mögliche Folgen sind Entzündungen kleiner Wunden, Hautausschläge und allergische Reaktionen. Auch die Atemwege können belastet werden, vor allem durch Biozide, Additive und Mikroorganismen wie Schimmelsporen. Sekundäre Amine konnten früher mit Nitrit krebserregende Nitrosamine bilden; bei Kühlschmierstoffen nach TRGS 611 besteht diese Gefahr nicht mehr.

Vor allem wassermischbare Kühlschmierstoffe sind anfällig für Bakterien und Pilze, besonders nach langer Nutzung oder Stillstand. Mikroorganismen gelangen über Anmischwasser, Umgebungsluft, Bodenschmutz sowie Schweiß und Speichel ins Fluid; auch Fremdöleinträge begünstigen die mikrobielle Belastung und sollten regelmäßig abgeskimmt werden. Ein Bakterienbefall zeigt sich durch starke Geruchsentwicklung und Verfärbung. Neben gesundheitlichen Folgen kann er Rohrleitungen verstopfen. Abhilfe schaffen Biozide und kontinuierliche Umwälzung mit Sauerstoffanreicherung. Nichtwassermischbare Kühlschmierstoffe sind nur selten betroffen.

Wirksamster Schutz ist die Vermeidung des Hautkontakts, unterstützt durch geeignete Hautschutzmittel wie Cover Skin®. Ergänzend sollte das Fluid regelmäßig geprüft, der Fremdöleintrag minimiert und der Kühlschmierstoff bei Bedarf rechtzeitig ausgetauscht werden.

Entsorgung verbrauchter Kühlschmierstoffe

Rechtssicher entsorgen nach AVV und VDI 3397.

Verbrauchte Kühlschmierstoffe gelten als Sondermüll. Bei korrekter Pflege halten wassergemischte KSS zwischen wenigen Wochen und mehr als zwei Jahren; nichtwassermischbare deutlich länger. Ist die Standzeit erreicht, muss das Fluid sachgerecht entsorgt werden.

Erreicht der Kühlschmierstoff durch Fremdöle, Feinstabrieb oder Keimbildung das Ende seiner Standzeit, ist eine sachgerechte Entsorgung erforderlich. Für mittelständische metallverarbeitende Betriebe ist die Abgabe an einen zugelassenen Abfallentsorger oder -transporteur der übliche Weg. Dieser stellt einen Abfallbegleitschein aus, der als Nachweis der ordnungsgemäßen Entsorgung dient und unbedingt aufzubewahren ist. Für sehr große Mengen kann auch eine chemisch-physikalische Behandlung — etwa Säurespaltung oder Ultrafiltration — wirtschaftlich sinnvoll sein, bei der die Öl- von der Wasserphase getrennt wird.

 

Abfallschlüssel nach AVV


Die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) kategorisiert Abfälle nach ihrer Gefährlichkeit; sie setzt den Europäischen Abfallartenkatalog (EAK) in deutsches Recht um. Der jeweils zutreffende Abfallschlüssel findet sich im Sicherheitsdatenblatt unter Abschnitt 13 „Hinweise zur Entsorgung“. Für Kühlschmierstoffe sind folgende Schlüssel relevant.

Schlüssel Beschreibung
120107* Halogenfreie Bearbeitungsöle auf Mineralölbasis (außer Emulsionen und Lösungen)
120108* Halogenhaltige Bearbeitungsemulsionen und -lösungen
120109* Halogenfreie Bearbeitungsemulsionen und -lösungen
120110* Synthetische Bearbeitungsöle
120119* Biologisch leicht abbaubare Bearbeitungsöle

Richtlinie VDI 3397


Ergänzend zur AVV ist die VDI-Richtlinie 3397 zu beachten. Blatt 1 informiert über Aufgaben, Eigenschaften und Arbeitsschutzmaßnahmen, Blatt 2 über die richtige Pflege und Verlängerung der Verwendungsdauer und Blatt 3 über das sichere Entsorgungsverfahren sowie das einschlägige Abfall- und Wasserrecht. Verbrauchte Kühlschmierstoffe zählen zu den gefährlichen Abfallarten und können bei Eintrag ins Grundwasser erhebliche Umweltschäden verursachen.

Die Richtlinie ist über die Website des Vereins Deutscher Ingenieure beziehbar.

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